ODF vs. XML: Die Nutzung von Microsofts Dokumenten-Format ist ein Eigentor

Marcus Dapp, Dozent an der ETH Zürich und aktiv in der Open Knowledge Foundation, erklärt in einem Gastartikel bei netzpolitik.org, warum die Nutzung des XML-Formats nicht nur aus ideellen, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu empfehlen ist. Der Autor fokussiert dabei deutsche Verwaltungen, die denen in europäischen Nachländern hinterherhinken würden. Kurz zusammengefasst gibt es derzeit vier Standards bei Bürodokumenten:

  • ODF, das OpenDocumentFormat, das “herstellerneutral, rechtlich und technisch offen zugänglich und öffentlich erarbeitet ist” (Dapp)
  • OOXML, Office Open XML, von Microsoft entwickelt und nicht grenzenlos zugänglich in drei Varianten, “ECMA”, “Transitional” und “Strict”

Das Problem der OOXML-Varianten ist laut Dapp, dass sie untereinander inkompatibel sind. Er fasst das wie folgt zusammen:

Office 2007 liest und schreibt in “ECMA”
Office 2010 und neuer schreiben “Transitional”
Office 2013 liest und schreibt – nicht “Strict”, jedenfalls nicht gemäss ISO/IEC 29500

Das kuriose daran sei, dass nicht einmal Microsoft selbst die Strict-Variante vollständig einsetzt. Probleme mit Dateien aus verschiedenen Microsoft Office-Generationen sind vorprogrammiert. Eingebettete Objekte können verloren gehen oder Fehler bei Grafiken auftauchen. Für öffentliche Verwaltungen kann das zu handfesten Schwierigkeiten führen: So muss entweder veraltete Büro-Software weiterhin betrieben werden, damit Dateien im Rahmen von Aufbewahrungsfristen noch problemlos geöffnet werden können. Oder Dateien müssen umgewandelt werden. Marcus Dapp stellt dazu berechtigte Fragen:

Welche Stadtkämmerei kann in solch einem Umfeld dem Budget-Spreadsheet von 2007 noch trauen, wenn es nicht mehr mit Office 2007 geöffnet wird, weil Microsoft den Support eingestellt hat? Wer kann der Verwaltung Garantien geben, wenn es auch der Hersteller nicht tut, z.B. durch eine Office-Version, die alle Formatvarianten sicher und verlustfrei verarbeiten kann? […] Warum sollte die Kunden diese Kosten [einer Dateiumwandlung] tragen, wenn sie sie gar nicht verursacht haben?

Auch wenn sich der Autor in seinem Artikel auf staatliche Einrichtungen konzentriert. Diese Fragen stellen sich gleichermaßen oder ähnlich auch für Selbständige, Unternehmen oder Privatpersonen. Wenn etwa der Briefverkehr mit Kunden eine Aufbewahrungsfrist von sechs Jahren hat, dann sollte überlegt werden, ob das abspeichern in einem der OOXML-Formate die effizienteste Lösung ist. Dabei kann nicht nur freie Software wie LibreOffice die Alternative, das OpenDocumentFormat, speichern, sondern auch das Pendant von Microsoft.

ownCloud 7.0.3 veröffentlicht

Soeben wurde die Version 7.0.3 von ownCloud veröffentlicht. Neben verschiedenen Sicherheitsfixes und Fehlerbehebungen in der Zusammenarbeit mit OS X-Servern, gibt es nun bessere Beschreibungen der ownCloud-Apps. Die Konfiguration des Datenverzeichnisses wurde verbessert. Alle Änderungen können im Changelog nachvollzogen werden.

Die Aktualisierung kann mit der integrierten Updatefunktion oder mit der Datei unter https://download.owncloud.org/community/owncloud-7.0.3.tar.bz2 durchgeführt werden.

Webmail-Alternative: rainloop auf dem uberspace betreiben

Auf der Suche nach Alternativen zu roundcube, dass beispielsweise immer noch keine native CardDav-Synchronisation mit sich bringt, ist während dem Warten auf mailpile das Projekt rainloop aufgetaucht. Die Webmail-Software steht unter CreativeCommons-Lizenz (BY-NC-SA) und ist für den privaten Einsatz kostenlos. Die Form der Lizenzierung ist ungewöhnlich, und rainloop damit auch nicht wirklich freie Software, selbst wenn die Entwicklung auf github nachvollzogen werden kann. Aber bei einem ersten Test der Online-Demo weckt es Begeisterung und mit folgenden Schritten läuft es nach wenigen Minuten auf dem eigenen uberspace. Einige der Pluspunkte von rainloop sind:

  • schlanke Weboberfläche
  • mehrere E-Mail-Konten und/oder Identitäten in einem Account verwalten
  • CardDav-Synchronisation der Kontakte z. B. mit der eigenen ownCloud

So wandert rainloop auf den eigenen uberspace. Zuerst mit Putty (oder vergleichbaren Client) den eigenen uberspace kontaktieren. Im Beispiel wird davon ausgegangen, dass rainloop im Ordner /var/www/virtual/username/html/rainloop installiert werden soll. username und hostname sind im Zweifelsfall im Datenblatt zu finden. Nach dem Verbinden wechseln wir in das Zielverzeichnis.

cd /var/www/virtual/username/html/rainloop/

Jetzt wird die neuste Version von rainloop in das Verzeichnis geladen.

wget http://repository.rainloop.net/v2/webmail/rainloop-latest.zip

Zum Schluss wird die Zip-Datei entpackt.

unzip rainloop-latest.zip

Über username.hostname.uberspace.de/rainloop ist Rainloop nun zu erreichen. Damit ein komfortabler Zugriff möglich ist, kann noch ein Verweis für eine Subdomain angelegt werden. Dazu zunächst in das Hauptverzeichnis wechseln.

cd /var/www/virtual/username/

Dann eine Verknüpfung anlegen (am Beispiel der auf uberspace hinterlegten Adresse domain.tld):

ln -s /var/www/virtual/username/html/rainloop mail.domain.tld

Rainloop ist nun unter mail.domain.tld erreichbar. Zunächst sollten unter mail.domain.tld/?admin einige Einstellungen vorgenommen werden. Der Standardzugang admin mit dem Passwort 12345 sollte als erstes geändert werden. Unter Domains kann etwa der uberspace-Mailserver eingetragen werden. Dazu auf Add Domain gehen und die Daten eintragen. Im Anschluss sollte das Anmelden unter mail.domain.tld mit den bei uberspace eingerichteten E-Mail-Adressen möglich sein.

Übrigens: Bereits standardmässig sind Yahoo, Outlook.com oder Google Mail eingerichtet. Wer erstmal nur die Funktionen ausprobieren möchte, meldet sich einfach mit der bei einem dieser Anbieter registrierten an. Das in der Einleitung versprochene Feature der CardDav-Synchronisation gibt es nach Aktivierung der Adressbuchfunktion und eben der Synchronisation unter Contacts im Administrationsbereich. Als letzter Hinweis sei angebracht, dass rainloop in einem nutzbaren, aber nicht stabilen Entwicklungsstatus ist.

KeePass-Integration: Thunderbird und KeeFox arbeiten zusammen

Seit einiger Zeit ist es möglich die Erweiterung KeeFox, die die Software zur Passwortverwaltung KeePass mit dem Browser Firefox verbindet, auch im E-Mail-Client Thunderbird einzusetzen. Dies ist noch nicht so komfortabel möglich wie im Mozilla Firefox, aber mit wenigen Schritten sind die Passwörter zum E-Mail-Konto sicherer abgelegt. Sollten die eigenen Passwörter nicht im Kopf oder anderweitig verfügbar sein, sollten diese zuvor notiert werden. Sie können über Einstellungen > Sicherheit > Gespeicherte Passwörter > Passwörter sichtbar gemacht werden.

  1. In Mozilla Thunderbird unter Einstellungen > Sicherheit > Gespeicherte Passwörter alle gespeicherten Passwörter löschen.
  2. Im Thunderbird unter Add-ons die Erweiterung KeeFox installieren. Den Thunderbird schließen.
  3. KeePass (und die eigene KeePass-Datenbank) öffnen und manuell die Zugangsdaten zu den einzelnen E-Mail-Konten eintragen. Jeweils einen neuen Eintrag erstellen und Benutzername und Passwort eingeben und unter URL eine beliebige Adresse (z. B. Ort der Webmail-Anwendung, sofern vorhanden) angeben. Unter dem Reiter KeeFox > URLs alle Serveradressen (z. B. pop.domain.tld, smtp.domain.tld) angeben.
  4. Die KeePass-Datenbank speichern.
  5. Thunderbird starten und einmalig den KeeFox-Code bestätigen, der angefordert wird. Dieser wird von KeeFox automatisch angezeigt.

Da die Passwörter zu den E-Mail-Konten Thunderbird nicht mehr vorliegen fragt das Programm diese nun bei jedem Start ab. KeeFox füllt – wenn alles glatt ging – die Abfrage automatisch aus und es muss lediglich mit Ok bestätigt werden. Diese Anleitung basiert auf einer Anleitung des KeeFox-Entwicklers.

Webdesign: Freie Icon-Bibliotheken für @font-face

Die folgende Übersicht zeigt eine Vielzahl an Icon-Bibliotheken unter freier Lizenz, die mittels @font-face im Webdesign eingesetzt werden können. Alle Schriften dieser Auswahl können bei kommerziellen Projekten eingesetzt werden. Jedoch sollte beim Herunterladen die jeweilige Lizenz nochmals überprüft werden, da sich diese bei neuen Versionen ändern kann.

NameAnzahl der IconsLizenz
Font Awesome479OFL
IconMoon Limited450CC-BY oder GPL
Typicons336OFL
Foundation Icons283MIT-License (laut CSS-Datei im Downloadpaket)
entypo250+CC-BY-SA
Open Iconic223/OFL
Sosa160+Frei für kommerzielle und private Nutzung
Heydon Pickering Fonts (zwei Schriftarten)116OFL
Raphaël Icon-Set110+MIT License
Genericons110+GPL 2
Modern Pictograms102OFL
Just Vector100+Free Art License

Audio-Bearbeitung: Version 2.0.6 von Audacity veröffentlicht

Die Version 2.0.6 der freien Software Audacity wurde veröffentlicht. Nach knapp einem Jahr erfolgt nun eine Aktualisierung der Audio-Software, die für Windows-, Mac- und Linuxsysteme verfügbar ist. Neben der Behebung verschiedener Fehler wurden diverse Verbesserungen beim Interface und den Audio-Effekten vorgenommen. Auch die neue portable Version, etwa für die Verwendung vom USB-Stick aus, steht bereits zu Verfügung.

Facebook: Automatische Videowiedergabe deaktivieren

Facebook ermöglicht seit Kurzem die automatische Wiedergabe von Videos zu deaktivieren. Dazu kann unter Einstellungen > Videos bei “Videos automatisch abspielen” die Option “Aus” gewählt werden. Das Deaktivieren der Funktion in der Facebook-Handyapp ist auf einer eigenen Hilfeseite erklärt. Hier kann die Wiedergabe generell deaktiviert, oder so konfiguriert werden, dass sie nur bei WLAN-Nutzung anspringt.

Web-Update von ownCloud über Administrationsbereich

An der Aktualisierungsfunktion über den Administrationsbereich scheint bei ownCloud ordentlich geschraubt worden zu sein. Im Zuge dessen wurde die Anleitung für das Update von owncloud bei uberspace aktualisiert.

Wem gehört die Wikipedia?

In der aktuellen Diskussion um den neuen Medienbetrachter in der deutschsprachigen Wikipedia kam es zu einer Machtprobe zwischen von Autoren gewählten Administratoren und der Betreiberin der Wissensplattform, der Wikimedia Foundation (WMF). Ein Meinungsbild hatte ergeben, dass sich 190 von 262 teilnehmenden Nutzern für eine standardmässige Abschaltung der neuen Funktion aussprechen. Nach Feststellung dieses Ergebnisses meldete sich Fabrice Florin, Produktmanager bei der WMF zu Wort und verkündete, dass diesem Wunsch nicht nachgekommen werde. Seitdem versteift sich die Diskussion darauf, dass das Ergebnis des Meinungsbildes umzusetzen sei. Ein neues Meinungsbild, dass den Mitarbeitern der WMF die übergeordneten Rechte entziehen soll, findet innerhalb kürzester Zeit viele Unterstützer.

Kern des aktuellen Konflikts zwischen einigen Autoren in der deutschsprachigen Wikipedia und der WMF ist aber nicht die Frage nach der Qualität oder der Funktion des Medienbetrachters. Vielmehr geht es darum, wer in der Wikipedia das letzte Wort hat. Der Konflikt ist im Bereich der Open Source-Bewegung nichts Neues. Regelmäßig kommt es zu Forks oder Projektausstiegen, weil sich Mitwirkende uneinig sind. Prominentes Beispiel ist die Aufspaltung der freien Bürosoftware in OpenOffice und LibreOffice. Auch hier gab es Uneinigkeit zwischen ehrenamtlich Mitarbeitenden und der Firma Oracle die die Namensrechte besaß. In der Geschichte der Wikipedia gab es bereits mehrfach den Schritt zum Fork, so beispielsweise in der spanischen oder auch der deutschsprachigen Wikipedia, wie z. B. das Projekt PlusPedia.

Open Source bzw. Open Content (in der Wikipedia) funktioniert nach einem einfachen Prinzip. Beteiligte lizensieren das Ergebnis ihrer eingebrachten Arbeitskraft in einer Form, die Verbreitung, Vervielfältigung, Nutzung und Weiterverarbeitung ermöglicht. Dabei gibt es verschiedene Philosophien, doch das Grundprinzip bleibt immer gleich. Bezogen auf die Wikipedia verschenken die Urheber von Texten das Recht diese beliebig zu vervielfältigen, verbreiten und öffentlich zugänglich zu machen, sowie gestatten die Bearbeitung der Inhalte. Dezidiert liest sich das in den Nutzungsbedingungen so:

Wobei Ihnen [beim Beitragen zum Projekt bzw. der Bearbeitung von Inhalten] Folgendes bewusst ist: Sie stellen Ihre Beiträge unter einer freien Lizenz ein – Sie müssen Beiträge und Bearbeitungen, die Sie auf einer unserer Seiten oder in einem unserer Projekte einbringen, grundsätzlich einer freien und offenen Lizenz unterstellen (außer Ihr Beitrag ist gemeinfrei).

Anders liese sich ein Projekt wie die Wikipedia auch gar nicht betreiben. Die Betreiberin, hier die Wikimedia Foundation, würde mit der Bereitstellung der Artikel permanent Urheberrechtsverletzungen begehen, weil sie unmöglich die Rechte bei jedem einzelnen Nutzer einholen kann. Ähnlich funktionieren übrigens auch dezidiert soziale Netzwerke. In diesem Punkt sind sich die Nutzungsbedingungen von Facebook und der Wikipedia gar nicht so fremd.

Wem gehört also die Wikipedia um auf die Frage dieses Artikels zu kommen? Ideell und ein wenig philosophisch betrachtet der Menschheit, die gemeinsam Wissen sammelt und rezipiert. Die Inhalte sind frei. Der Name und die (meiste) Infrastruktur – dazu gehört neben den Servern etwa auch die Rechtsvertretung – in der sie betrieben wird der Wikimedia Foundation (WMF). Solange sich Autoren unter diesem Namen und auf diesen Servern tummeln und dort gemeinsam Wissen sammeln, geschieht das zu den Regeln der WMF.

Um das zu pointieren: In den Anfangsjahren der Wikipedia wurde kontrovers über die Finanzierung der Infrastruktur durch Werbeanzeigen diskutiert. Auch wenn diese Frage zur Zeit vom Tisch ist und die Strukturen der Foundation dies mittlerweile erschweren würden. Es ist nicht vollständig undenkbar das die WMF Werbeanzeigen zur Finanzierung der Infrastruktur einführt, insbesondere wenn das Fundraising irgendwann nicht mehr so erfolgreich verläuft wie derzeit. Die Autoren, die die Regeln der Mitarbeit in der Wikipedia mit ihren Beiträgen dort akzeptieren, müssten sich damit abfinden.

Doch der Fork – wenn auch bei der Stellung der Wikipedia ein äußerst herausforderndes Unterfangen – wäre nicht weit und so ist es letztendlich wie in jedem größeren Open-Source-Projekt: Es gibt einen ständigen Aushandlungsprozess zwischen den Betreibern und denen, die einen Beitrag leisten. Diesem wird sich auch die aktuelle Debatte um Medienbetrachter und “superprotect”-Rechte stellen müssen.

Open Source Webmail-Software: Erste Beta von Mailpile

Mailpile könnte der nächste große Fang im Bereich der OpenSource-Webmail-Software sein. Vom derzeitigen Platzhirsch roundcube unterscheidet sich Mailpile im Wesentlichen durch eine nativ integrierte Verschlüsselung per OpenPGP und einer Oberfläche, die von der Nutzbarkeit her an zeitgemäße Webmailanwendungen wie GoogleMail angelehnt ist. Kurzum: Wer bisher von GoogleMail wegen der Oberfläche und Funktionalität nicht wegkommt und schon immer seine selbstgehosteten E-Mails über eine adäquate OpenSource-Lösung verwalten wollte, könnte mit dem über Crowdfunding finanzierten Projekt die Nadel im Heuhaufen finden.

In den kommenden Tagen soll nun – nachdem der Quellcode schon seit Projektstart verfügbar ist – die erste Betaversion veröffentlicht werden. Damit sind die isländischen Entwickler, die diese für den Spätsommer 2014 angekündigt hatten, im Zeitplan. Mailpile – momentan noch in der Alpha-Version – kann übrigens live in einer Demo ausprobiert werden.