Zur Fortschrittlichkeit von Musik in den 1950ern: Presley vs. Stockhausen

In ihrer Forschung setzt sich die Promovendin an der LMU Julia Zupancic, mit dem Fortschrittsdenken in der Musik in den 1950er Jahren auseinander. In einem aktuellen Beitrag, fragt sie nach den Gemeinsamkeiten bzw. den Unterschieden in der Bewertung von Elvis Presley und Karlheinz Stockhausen. Auf Basis der Überlegungen des Musiktheoretikers Heinz-Klaus Metzger nähert sie sich einer Klärung, warum Stockhausens Musik als fortschrittlich, Presleys hingegen weniger fortschrittlich gesehen werden kann.

Metzger geht davon aus, dass sich der Fortschritt in der Musik durch musikalische Revolutionen vollziehe, die sozusagen »objektiv« und notwendigerweise in der Entwicklung der Musik auftreten. Ein Beispiel für eine solche Revolution wäre um 1910 das Entstehen der atonalen Musik, die das bisher gültige Ordnungssystem der Tonalität auflöse.

Aus Sicht von Metzger bricht beispielsweise die Neue Musik mit den Konventionen, vollführt sozusagen eine Revolution. In Bezug auf Elvis Presley scheint das Fortschrittskonzept von Metzger zunächst nicht anwendbar.

Metzger würde mit Blick auf die Kompositionstechnik und das verwendete Material der Songs wohl eher von einer rückschrittlichen Tendenz sprechen. […] Hier könnte man jetzt in der Argumentation stehen bleiben […] [a]ber damit scheint mir die Sache noch nicht abschließend und tiefgehend genug behandelt, denn Rock ‘n’ Roll gilt doch in seinen Anfängen – sozusagen vor seiner Kommerzialisierung – als Ausdruck einer Rebellion der Jugend gegen Konventionen und Normen, die als einengend und überkommen empfunden wurden. Zudem wird Rock ‘n’ Roll gerne auch als Revolution bezeichnet, insbesondere in Hinblick auf das Aufgreifen von Blues-Elemente und damit auf das Vermischen von als »white« und »black« angesehenen Musiktraditionen, das – so heißt es – auf die amerikanische Bürgerrechtsbewegung vorausweist und sie unterstützt.

Was nun aber der Unterschied zwischen der Rebellion von Elvis Presley und der Revolution von Karlheinz Stockhausen ist bleibt im Beitrag von Julia Zupancic als offene Frage stehen.

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