Schlagwort: Netzgeschehen

Die Quittung von Facebook und Gmail

Die Übertragung von Daten an Internetgiganten wie Facebook oder Google bringt eine enorme Umverteilung von Wohlstand mit sich. Das ist der Gedankengang von Tim Wu beim New Yorker. mkalina verweist auf den Artikel Facebook Should Pay All Of Us in einem kurze Beitrag. Der Meilenstein von Facebook, so Tim Wu, sei wahrscheinlich nicht das soziale Netzwerk an sich, sondern eine Sammelstelle für Daten entwickelt zu haben in der Millionen von Menschen ohne großartige Gegenleistung persönliche Dinge abgeben.

The trick is that most people think they are getting a good deal out of Facebook; we think of Facebook to be “free,” and, as marketing professors explain, “consumers overreact to free.” Most people don’t feel like they are actually paying when the payment is personal data and when there is no specific sensation of having handed anything over. If you give each of your friends a hundred dollars, you might be out of money and will have a harder time buying dinner. But you can hand over your personal details or photos to one hundred merchants without feeling any poorer.

Ist das Bezahlen mit der eigenen Identität im Freundeskreis noch relativ unverfänglich, verhilft es Facebook zu einer großen Macht und letztlich zu dem Wert, an den die Aktionäre des Unternehmens fest glauben. Drei Milliarden Dollar Gewinn standen für Facebook am Ende des letzten Jahres. Tim Wu stellt fest: „It’s like a virtual Fort Knox—with a gold mine attached to it.“ Wie Microsoft sein neues Betriebssystem Windows 10 finanzieren wird, ist dann wohl keine offene Frage mehr.

werkenntwen schließt zum 2. Juni

Nach schülerVZ geht das nächste soziale Netzwerk aus Deutschland seinem Ende entgegen. Vor einem halben Jahr hatte eine Umfrage ergeben, dass werkenntwen immerhin noch 8% Marktanteil besitzt. Für die Betreiberfirma RTL Interactive ist die Reichweite nun nicht mehr ausreichend. Das Angebot sei langfristig nicht wirtschaftlich aufrecht zu erhalten, heißt es in einer Pressemitteilung. Zum 2. Juni 2014 wird werkenntwen abgeschaltet.

Mittels einer Exportfunktion sollen Nutzer die Möglichkeit haben ihre Daten zu sichern. Ein letzter Satz in der Pressemitteilung lässt noch aufhorchen. Demnach bewertet RTL Interactive die Berücksichtigung deutscher Datenschutzregelungen eher als nachteiligen Faktor.

schuelerVZ wird geschlossen: Die VZ-Netzwerke endgültig am Ende?

Es war 2006 und eine neue Plattform namens studiVZ machte soziale Netzwerke in Deutschland so richtig populär. Diskussionen über geklaute Ideen – Facebook – oder geklaute Daten – die der Nutzer – bestimmten die Sturm und Drang-Phase. Und es wurde deutlich, das nicht nur in den USA Jungunternehmer mit den Fotos, Nachrichten und Profilen von bald Millionen von Nutzern Geld verdienen, ja sogar Multimillionäre werden können. Doch zum Ende der „Nuller“-Jahre begann das bröckeln der erfolgreichsten Netzwerkgruppe aus Deutschland: Bald gab es Vorraussagen, wann die VZs ohne Nutzer auskommen müssen, zuletzt Mitte 2012.

Jetzt ist es soweit: Mit schülerVZ schließt die erste der drei (meinVZ und studiVZ) Plattformen. Fast schon wie Satire liest sich der Hinweis auf die Kettenbriefe, die besonders in der Anfangszeit von sozialen Netzwerken zum Tagesgeschäft gehörten und von „Gebühren“ oder der „Abschaltung“ sprachen, wenn nicht dieselbe Nachricht flux weiterversendet würde.

Wichtig ist: Mit der Schließung werden alle deine Inhalte und Daten vollständig und unwiederbringlich gelöscht.

Dieser Satz in der Ankündigung der Schließung zum 30. April 2013 lässt noch einmal kurz aufhorchen. Und hier mag man ihm wirklich glauben schenken, selbst wenn die VZs mittlerweile britischen Investoren gehören. Ende letzten Jahres betrug der Anteil der Seitenaufrufe von schülerVZ im kompletten VZ-Netzwerk rund 40 Prozent. Wohl nur eine Frage der Zeit, bis die andauernden Vorraussagen der Netzgemeinde zum Ende der „VZs“ Wirklichkeit werden.

Mutig hinter den Kulissen der Eröffnungsfeier von London 2012

Eher überraschend mutet das Format an, dass die Marketingabteilung der Olympischen Spiele in London 2012 für einen Blick hinter die Kulissen der Eröffnungsfeier gewählt hat: Ein Microblog beim Anbieter tumblr. Das eine Facebookseite heute auch schon in medial konservativeren Kreisen zum guten Ton gehört, setzt sich langsam durch – auch, wenn nicht zu jedem Vorhaben eine solche Präsenz passt, aber das ist eine andere Sache. Einen Microbloggingdienst wie tumblr jedoch zur Begleitung einer Veranstaltung im Netz zu nutzen, mutet eher frisch an. Für die im Rahmen der Olympischen und Paralympischen Spiele stattfindenden Eröffnungs- und Schlusszeremonien gibt es jeweils ein eigenes, maßgeschneidertes Blog.

Mittels einer Zeitlinie sind die einzelnen Elemente etwa der Eröffnungsfeier anwählbar. Es erscheinen im Stil eines Flickenteppichs Videos, Fotostreams, Links, Zitate oder kurze, informative Texte. Nicht nur Fotos oder Videos von den Proben, sondern etwa auch Konzeptzeichnungen bieten einen Blick hinter die Kulissen. So sprechen auf diesen Seiten dann auch eher Bilder und Texte, als das offizielle Corperate Design der Spiele. Auch gestalterisch ein mutiger Schritt.

min.us ist der Dateien plus

Seit einiger Zeit teste ich den Dateisharingdienst min.us (Ref). Mit einem Versionsupdate Ende August ist dieser nun noch attraktiver geworden. Ab sofort können unter anderem Dateien bis zu 2GB hochgeladen werden, die Website wurde einem nutzerorientierten Redesign unterzogen und es gibt schicke Nutzer-URLs im Schema min.us/nutzername. Jeder Nutzer startet mit 10GB Speicherplatz, wer geworben wird bekommt gleich 1GB dazu. Bis zu 50GB kann durch Nutzerwerbung der Speicher erweitert werden. Was mir an min.us gefällt ist die große Einfachheit des Dienstes. Wie der Name sagt wurde auf irgendwelchen Schnick-Schnack verzichtet. Dateien können einfach in das Browserfenster gezogen werden und schon ist der Upload im Gange. Das Teilen der Dateien mit anderen ist entweder dadurch möglich, dass die Datei öffentlich über die Nutzerseite oder direkt über einen Link erreichbar ist.

Verfassungswidrige Vorratsdatenspeicherung bei deutschen Telekomunikationsanbietern

Der AK Vorratsdatenspeicherung ruft mit seiner heutigen Pressemitteilung nocheinmal zum mitzeichnen der aktuellen Vorratsdaten-Petition auf und weißt auf die problematische aktuelle Lage hin. Noch 31.000 Unterschriften werden bis zum 14. September benötigt um eine Anhörung im Petitionsausschuss zu erreichen. Als Anlass nehmen die Aktivisten einen in Auszügen veröffentlichten „Leitfaden zum Datenzugriff“ der Münchner Staatsanwaltschaft.

Nach Paragraf 97 des Telekommunikationsgesetzes haben Anbieter „für die Abrechnung nicht erforderliche Daten […] unverzüglich zu löschen“. Tatsächlich aber protokollieren Telekommunikationsanbieter bis zu sechs Monate lang, von wem ihre Kunden angerufen wurden, obwohl die Anrufannahme in aller Regel nicht kostenpflichtig ist […], so der als „Verschlusssache“ eingestufte „Leitfaden“ der Generalstaatsanwaltschaft. Zudem zeichnen die Mobilfunk-Netzbetreiber illegal die Position aller Handynutzer auf […]. Nur bei Prepaidkarten werden dem Dokument zufolge „bis auf wenige Ausnahmen keine Verkehrsdaten gespeichert“.

„Die nun offengelegte Sammelpraxis der deutschen Telekommunikationsbranche ist skandalös“, erklärt Patrick Breyer vom Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung. „Die illegale Kommunikations- und Bewegungsdatenspeicherung der deutschen Telekommunikationsbranche bringt Millionen von Menschen in die Gefahr strafrechtlicher Ermittlungen, weil sie zufällig am falschen Ort waren oder mit der falschen Person telefoniert haben – das mussten erst vor wenigen Wochen 1 Mio. Menschen in Dresden erleben.[2] Die Datenberge schaffen auch die permanente Gefahr von Datenpannen und Datenverkauf, wie bei T-Mobile bereits geschehen,[3] und einer Aufdeckung der Quellen von Journalisten, wie bei der Deutschen Telekom geschehen[4]. Nur nicht gespeicherte Daten sind sichere Daten!“

Der Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung fordert die Verantwortlichen auf, unverzüglich gegen die skandalösen Rechtsverstöße einzuschreiten:

  1. Die Telekommunikationsbranche muss die Aufzeichnung unserer Bewegungen und entgegengenommener Anrufe sofort stoppen! Die bei Prepaidkarten mögliche sofortige Abrechnung und Verbindungsdatenlöschung muss auch allen anderen Kunden angeboten werden, die keinen Einzelverbindungsnachweis wünschen.
  2. Der Bundesdatenschutzbeauftragte muss Bußgelder gegen alle Unternehmen verhängen, die die vom Gesetz geforderte „unverzügliche“ Löschung abrechnungsirrelevanter Daten erst nach Tagen, Wochen oder gar Monaten vornehmen.
  3. Der Deutsche Bundestag muss bei der Novellierung des Telekommunikationsgesetzes eindeutig festschreiben, dass abrechnungsirrelevante Telekommunikationsdaten spätestens mit Ablauf des nächsten Tages zu löschen sind. Außerdem muss jeder Bürger das Recht erhalten, von seinem Anbieter eine sofortige Gebührenabrechnung und Datenlöschung mit Verbindungsende zu verlangen. Einen entsprechenden Formulierungsvorschlag hat der AK Vorrat schon im Mai vorgelegt.[5]

Besorgten Bürgern und Unternehmen empfehlen wir, zu einem Telefon-, Handy- und Internetanbieter zu wechseln, der seine Kunden möglichst wenig ausspioniert (Festnetz: Deutsche Telekom, Mobilfunk und UMTS: Prepaidkarten aller Anbieter, DSL-Internetzugang: Hansenet/Alice oder Vodafone DSL). Auf unserer Internetseite http://akvorrat.de/s/Anbieter findet sich eine Übersicht über die Speicherdauer von 25 Telefon-, Handy-, E-Mail- und Internetanbietern. Außerdem sollte man von seinen Telekommunikationsanbietern schriftlich eine sofortige Verbindungsdatenlöschung mit Verbindungsende oder mit Rechnungsversand verlangen.

Noch eine kleine Anekdote zum Thema: Fefe deckt auf, dass ein SPD-Vorratsdatenspeicherungs-AK-Mitglied scheinbar bei einer mutmaßlich für Filesharing-Abmahnungen bekannt gewordenen Kanzlei arbeitet.

Was Deutschland sucht: Soziale Netzwerke

Der Suchmaschinengigant hat seinen jährlichen „Zeitgeist“ veröffentlicht. Länderweise werden so die häufigsten Suchbegriffe oder Trends im Suchverhalten der Nutzer veröffentlicht. Auf Platz eins und zwei sind im Jahr 2010 bei den Suchbegriffen: Facebook und Youtube. In der TopTen außerdem: GMX, eBay und Google. Mal ganz abgesehen davon, warum Menschen das Wort „Google“ googlen: Es scheint einen Trend zu geben nicht Lesezeichen oder die Adresseingabeleiste für den Start ins Surfvergnügen zu wählen, sondern die Suchfunktion von Google. Viele Browser haben die Suchmaschine standardmäßig als Startseite. Anstatt hier die bevorzugte Website einzustellen, wird ersteinmal eine Suchanfrage abgesendet. Effektivität sieht anders aus. Bei den meist gesuchten Nachrichten überrascht, dass Eurovision Songcontest – Gewinnerin Lena nur auf Platz 10 zu finden ist. Geschlagen wird sie von Menowin Fröhlich oder Daniela Katzenberger, die sie aber in den Bildsuchanfragen und bei den meist gesuchtesten Personen hinter sich lassen kann. Und hier die beliebtesten Suchanfragen im Überblick:

  • Schnellst wachsendster Suchbegriff: WM 2010
  • Beliebtestes Produkt: ipod
  • Häufigster Suchbegriff: Facebook
  • Meist gesuchteste Person: Lena Meyer-Landrut
  • Meist gesuchteste Nachricht: Bayern
  • Beliebteste Bildersuchen: ipad

Wikipedia integriert OpenStreetMap

Die Online-Enzyklopädie Wikipedia hat vor Kurzem den Kartendienst OpenStreetMap in sein Angebot integriert. Es besteht ab sofort die Möglichkeit Karten direkt in Artikel anzeigen zu lassen. Beim Artikel über Frankreich ist dies beispielsweise bereits möglich. Mit der Georeferenzierung hatte man seit langer Zeit daran gearbeitet Artikel mittels Koordinatenangaben zu „verorten“. Mit der neuen Funktion ist nun die Anzeige einer Karte unmittelbar im Artikel möglich. Dies ist wohl auch den vergangenen Lizenzumstellungen beim Enzyklopädie-Projekt zu verdanken. Mit der Creative-Commons Lizenz „CC-BY-SA“ verwendet man bei Wikipedia nun die gleiche Lizenz wie das Kartenprojekt OpenStreetMap. Die Lizenz ermöglicht die Weiterverwendung von Inhalten bei Namensnennung des Urhebers und Nutzung gleicher Lizenz.

CreativeCommons veröffentlicht Public Domain – Signet

Die Creative Commons Corporation hat ein Logo zur Kennzeichnung von Inhalten veröffentlicht, die unter der Lizenz „Public Domain“ stehen. Damit ist der letzte Schritt zur Aufnahme von Public Domain in die Lizenzreihe von Creative Commons vollzogen. Die Lizenz gewährt dem Nutzer die weitgehensten Möglichkeiten zur Verbreitung und Weiterverarbeitung eines Werkes. Die europäische Digitalbibliothek Europeana will laut Angaben von Creative Commons Deutschland die Lizenz und das Logo im kommenden Jahr großflächig anwenden.